SPORTBUZZER: Klaus-Peter Jung, die Volleyball-Bundesliga der Männer erlebt schwere Zeiten. Mit Rottenburg, Eltmann und den Alpenvolleys Haching werden drei Vereine aus unterschiedlichen Gründen ab der kommenden Saison nicht mehr dabei sein. Wie versucht die VBL, nun gegenzusteuern?
Klaus-Peter Jung (64): Zunächst einmal ist es wichtig, die unterschiedlichen Gründe bei den drei Klubs zu kennen. Rottenburg hat sich wegen der durch die Corona-Krise sinkenden Sponsoringeinnahmen aus dem Profi-Volleyball zurückziehen müssen. Den insolventen Heitec Volleys Eltmann hat die Liga die Lizenz entzogen. Und die Alpenvolleys, die stets zu den finanzstarken Vereinen gehörten, haben ihr Projekt zwischen Unterhaching und Innsbruck nach drei Jahren beendet. Für die VBL versuchen wir nun, mit einem Maßnahmenpaket entgegenzusteuern, das noch diese Woche auf den Weg gebracht werden soll. Wir versuchen damit, die Klubs finanziell und organisatorisch zu entlasten.
Das Nachwuchsteam VCO Berlin kehrt turnusmäßig nach einem Jahr Pause wieder in die Bundesliga zurück. Kann die kommende Saison definitiv mit zehn statt bisher zwölf Klubs gespielt werden?
Sicher kann man sich nicht sein. Aber es gibt bislang von keinem weiteren Verein das Anzeichen, dass er in der nächsten Saison nicht mehr dabei ist. Daher gehen wir davon aus, die Bundesliga mit zehn Klubs zu spielen.
Die zurückliegende Saison haben Sie kurz nach Eintritt der Corona-Krise in Deutschland abgebrochen und nicht gewertet. Wie kam diese Entscheidung zustande?
Wir haben das sehr intensiv diskutiert. Bei den Frauen war noch ein Hauptrunden-Spieltag ausstehend, bei den Männern standen noch zwei komplette Spieltage aus. Danach wären die Play-offs ausgespielt worden. Aber unsere Empfehlung an den Liga-Vorstand war nach zwei Telefonkonferenzen mit den Erstligisten klar: Wir müssen den Spielbetrieb einstellen, um die Gesundheit der Spieler, Mitarbeiter, Offiziellen und Fans zu schützen. Der Vorstand ist dieser Empfehlung auch gefolgt. Der komplette Abbruch lag dann unter anderem darin begründet, dass eine Verschiebung der Spiele aufgrund des engen internationalen Terminkalenders unrealistisch war. Zudem hatten bereits einige Spielerinnen und Spieler den Wunsch geäußert, in ihre Heimatländer zurückkehren zu können. Eine Fortsetzung der Spielzeit wäre demnach kaum möglich gewesen. Diese Entscheidung halte ich nach wie vor für richtig.
Gerade im Bereich der Medieneinnahmen müssen Sie finanzielle Einbußen hinnehmen. Die Play-offs sind für den Free-TV-Partner Sport1 das große Highlight, das nun wegfällt. Haben Sie sich schon auf eine Lösung geeinigt?
Wir haben direkt Kontakt zu Sport1 und unseren weiteren Partnern aufgenommen, nachdem das Saisonende feststand. Eine finale Entscheidung gibt es zwar noch nicht. Wir sind aber auf einem guten Weg, eine Lösung zu finden, die für alle Seiten akzeptabel sein wird. Da geht es dann keinesfalls um Ausfälle in Höhe von 50 oder gar 100 Prozent der im Vertrag vereinbarten Zahlungen.
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Jedem Verein drohen nun Erlöseinbußen. Der Mindestetat für die Bundesliga-Lizenz liegt bei 250.000 Euro. Sie hatten vor einiger Zeit sogar die Grenze von 500.000 Euro pro Klub genannt, um konkurrenzfähig sein zu können. Wird man von diesen Summen Abstand nehmen müssen?
Wir sind bereit, gewisse Einschnitte hinzunehmen. Grundsätzlich liegt der Schwellenwert bei 250.000 Euro, das ist richtig. Der ist allerdings aus meiner Sicht zu gering angesetzt, um wirklich innerhalb der Liga zu konkurrieren. Zu dieser Aussage von vor einem Jahr stehe ich – aber die Situation nun ist eben eine gänzlich andere. Daher müssen wir diese Krise wirklich als Chance verstehen und für unsere Klubs gute Entscheidungen treffen und zudem kluge Ideen für die Zukunft finden. Es könnte eine Pilotphase von drei bis vier Jahren geben, in der wir Anforderungen in unserem Lizenzstatut reduzieren, um die Vereine wieder nach und nach aufzubauen. Das muss aber alles mit Maß und Ziel passieren. Dabei sollten wir gravierende Rückschritte möglichst vermeiden, um am Sportmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.
Kritik an der Ligaführung kam nun von Kaweh Niroomand, dem Manager des Spitzenteams Berlin Recylcing Volleys. Er monierte unter anderem die bislang erfolglose Suche nach einem Liga-Titelsponsor.
Ich halte eine Reaktion auf diese Kritik zum jetzigen Zeitpunkt nicht für nötig. Herr Niroomand wird seine Gründe haben, aber es ist grundverkehrt, dieses Thema in Zeiten von Corona aufzumachen. So kommen wir nicht weiter, wir müssen solidarisch zusammenstehen und wir brauchen Lösungen. Fest steht: Wir haben bislang noch keinen Titelsponsor …
… suchen diesen jedoch schon seit geraumer Zeit, er ist sogar Teil des Liga-Masterplans aus dem Jahr 2014. Finanziell wäre ein Abschluss gerade jetzt natürlich ein Segen, doch ebenso schwer dürfte dieser sein, weil viele Unternehmen große Probleme haben.
Da haben Sie natürlich recht. Ein Titelsponsor ist für uns essenziell, daher auch in unserem Masterplan zur Fortentwicklung der Liga festgeschrieben, und wir arbeiten auch während der Corona-Krise weiter mit Hochdruck daran. Wir haben gerade jetzt die Chance, in eine gewisse Nische hineinzustoßen. Es gibt ja trotz allem derzeit durchaus auch Branchen, die boomen.
from https://www.sport.messepost-online.info/vbl-boss-klaus-peter-jung-ueber-volleyball-klubs-in-der-krise-und-die-folgen-von-corona-fuer-die-liga/
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