Hunderte Segelboote schaukeln im Wasser, Spaziergänger flanieren, es gibt Fischbrötchen, Bier und Aperol Spritz: Szenen wie diese sind im Frühjahr in den Sportboothäfen der Ostsee eigentlich normal. 2020 ist alles anders. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie erreichten die Küste kurz vor dem Start in die Wassersportsaison.
Segeln, Golf und Reiten soll ab 4. Mai wieder erlaubt sein
Noch sind die Stege gesperrt und die Kräne bewegen sich kein Stück. Doch seit Ende vergangener Woche gibt es einen Hoffnungsschimmer: Das Land Schleswig-Holstein will ab dem 4. Mai wieder Outdoor-Sportarten wie Tennis, Reiten, Golf und Segeln erlauben. Wie genau das ablaufen soll, welche Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten sein werden, ist offen. Doch die Vorbereitungen beginnen.
Grömitz: Liegeplatzinhaber mit Verständnis
Jacqueline Felsmann von der Marketingabteilung des Grömitzer Tourismus-Service weiß um die Bedeutung der fast 800 Liegeplätze, die von Bootsbesitzern aus ganz Deutschland genutzt werden. „Wir sind mit den Liegeplatzinhabern in Kontakt. Die meisten haben Verständnis für die Situation und hoffen, dass es schnell wieder losgeht. Wir alle wollen Grömitz schnell wieder so genießen, wie wir es eigentlich kennen“, sagt sie. Sobald es mehr Infos gebe, soll es mit dem Kranen losgehen. „Wir warten quasi nur auf das offizielle Go“, betont Jacqueline Felsmann. Dennoch bleibe eine gewisse Unsicherheit, ob es wirklich zu einer Öffnung des Jachthafens komme.
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An den Stegen im mehr als 50 Jahre alten Hafen liegt derzeit nur die „Hans Hackmack“. Der Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist nicht nur während der Saison auf der Ostsee unterwegs. Stephan Litschen, 2. Maschinist, sagt: „Der Winter ist dieses Jahr sehr sehr lang und es ist irgendwie skurril. Zum Teil vermisse ich den Trubel schon, aber die Ruhe ist auch schön. Wir können einige Arbeiten in Ruhe erledigen.“
Abstand halten – das muss auch in den Häfen geregelt werden
Normalerweise sei es rund um Ostern eigentlich brechend voll im Grömitzer Hafen. „Einige Segler werden ihre Boote wohl gar nicht mehr ins Wasser lassen. Für die lohnt es sich zeitlich nicht mehr“, schätzt er. Zudem fragt sich der Maschinist, wie sich die vielen Hundert Segler im Bereich der Sanitäranlagen in Zukunft aus dem Weg gehen können. „An Bord ist es ja nicht schwer, Abstand zu halten“, führt er aus.
LN-Plattform hilft
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Zeit genutzt, Stege zu reinigen und reparieren
Ähnlich äußert sich Vera Litzka, Werkleiterin der Neustädter Stadtwerke. Das Unternehmen ist für Hunderte Liegeplätze im Kommunalhafen zuständig. „Wir bereiten uns intern auf den Start vor. Die zurückliegende Zeit haben wir genutzt, um Reparaturen und Stegreinigungen durchzuführen, unser digitales Angebot zu verstärken und Services zu optimieren“, sagt Litzka. Nun freue sie sich auf Dauerlieger, Gäste und Besucher und hoffe, dass es klare und umsetzbare Vorgaben für den Hafen und deren Nutzer geben werde.
Nur etwa 40 statt über 1000 Schiffe sind im Wasser
Nicht weit entfernt lockt die Ancora-Marina mit 1400 Liegeplätzen. An diesem Sonntag sind lediglich ein paar Spaziergänger unterwegs und an Land werkeln einige wenige Bootseigner. Geschäftsführer Oliver Seiter spricht von bitteren Wochen für Unternehmen und Kunden. Lediglich rund 40 Schiffe habe man vor dem Lockdown ins Wasser bringen können. „Wir hoffen sehr, dass der Wassersport auch für die Kunden möglich ist, die von auswärts anreisen müssen“, sagt Seiter.
Kritik an finanzieller Unterstützung
Die Unterstützungsmaßnahmen von Land und Bund bezeichnet der Geschäftsführer als Trauerspiel. „Wir mussten selbst Kredite in Anspruch nehmen – zum ersten Mal in über 47 Jahren Unternehmensgeschichte“, erläutert Seiter. Zudem habe man Kurzarbeit anmelden müssen. Außer Darlehen habe es keinerlei Zuschüsse gegeben, da „wir in die Unternehmensrubrik über 50 beschäftigte Mitarbeiter fallen“. Selbst mit hartnäckiger Intervention beim Wirtschaftsministerium sei bislang nichts machbar gewesen in puncto direkte Zuschüsse. „Ein grauenvoller Jahresauftakt. Wir hoffen sehr, dass die Saison umso nachhaltiger und freudiger für uns alle und unsere Kunden wird.“
„Aufregen bringt nichts“
Zwei dieser Kunden sind bereits mit den Vorbereitungen auf eine schöne Segeltour beschäftigt. Doris und Thomas Bollmann nutzen das seit Wochen trockene und sonnige Wetter, um ihre 15,50 Meter lange „Wotan“ an Land auf die verkürzte Saison im Wasser vorzubereiten. „Sonst herrscht hier sehr viel Hektik“, sagt Thomas Bollmann. Seine Frau ergänzt: „Es geht darum, das Beste aus der Lage zu machen und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Aufregen bringt nichts.“
Von Sebastian Rosenkötter
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