Thursday, April 16, 2020

„Leistungen besser steuern und einschtzen“ – Frauenfussball

„Leistungen besser steuern und einschtzen“ – Frauenfussball:

Die Frauenfuballabteilung des FC Chelsea richtet Trainingsplne nach dem weiblichen Zyklus aus / Menstruation ist weiterhin ein Tabuthema im Spitzensport.


BERLIN (dpa). Als Steffi Graf vor mehr als 30 Jahren berraschend das Finale der French Open verloren hatte, titelte eine deutsche Boulevardzeitung am Tag danach: „Steffis Gestndnis. Ich hatte meine Tage“. Die Emprung ber die Schlagzeile im Juni 1989 war gewaltig. Wie wohl die Reaktion heute ausfallen wrde? Auch im Jahr 2020 zhlt die Thematik Menstruation im Spitzensport nicht gerade zu den medialen Dauerbrennern. ffentlich darber gesprochen wird kaum, die wissenschaftliche Forschung erweist sich als kompliziert.

Dabei steht auer Frage, dass der weibliche Zyklus die Leistungsfhigkeit beeinflussen kann. Faktoren wie Muskelauf- und -abbau, Gewichtsvernderungen oder Wassereinlagerungen hngen damit zusammen. „Der Krper der Frau ist einfach anders, das muss man bercksichtigen“, sagt Pauline Bremer. „Jede Leistungssportlerin kann besttigen, dass die Leistung tagesabhngig schwankt. Wenn man sich vielleicht fragt, was ist mit der heute los? Das kann einfach immer zusammenhngen.“ Die 23 Jahre alte Fuball-Nationalspielerin wechselt im Sommer von Manchester City zum deutschen Meister VfL Wolfsburg. In England sorgte zuletzt ManCitys Liga-Konkurrent FC Chelsea fr Aufsehen bei der Thematik. Der Telegraph berichtete Anfang des Jahres, dass das Team knftig auf den Zyklus der Spielerinnen abgestimmt trainiert werden soll. „Als erster Club weltweit“, wie die Zeitung schrieb.

Jede Spielerin werde einen individuellen Trainingsplan bekommen. Dafr mssten in eine bereits bestehende App Informationen und Symptome eingetragen werden. Die Initiative ging von Trainerin Emma Hayes aus. Die Idee dahinter: das Leistungsvermgen der Sportlerinnen verbessern, das Verletzungsrisiko vermindern.

Auch bei Manchester City gibt es morgendliche Fragebgen, „in denen wir angeben, wie wir uns fhlen, und da ist auch die Menstruation einer der Punkte“, erzhlt Bremer. Das Bewusstsein fr dieses Thema knne helfen, „Leistungen besser zu steuern und auch besser einschtzen zu knnen“, sagt die Offensivspielerin. Tatschlich kam Chelsea-Trainerin Hayes die Idee, als ihre Mannschaft 2016 das FA-Cup-Finale gegen den FC Arsenal verlor. Viele Spielerinnen htten zu dem Zeitpunkt ihre Periode gehabt und nicht ihre gewohnte Leistung gezeigt, sagte die 43-Jhrige dem Telegraph und wies auch auf schwierige Grundvoraussetzungen bei dem Thema hin. „Man kann sagen, dass ich Trainerin bin in einer Industrie, in der Frauen immer wie kleine Mnner behandelt worden sind. Ob Reha, Kraft-, Konditions- oder Taktiktraining – alles basiert auf dem, was Mnner tun“, sagte Hayes und ergnzte den scheinbar banalen Satz: „Wir mssen jeden Monat durch etwas total anderes durchgehen als Mnner.“

Umso erstaunlicher daher, wie sich die Wissenschaft (bislang) mit dem Thema beschftigt hat. Studien mit Leistungssportlerinnen seien sehr schwierig, sagte die frhere Handball-Nationalspielerin und heutige Sportmedizinerin Petra Platen von der Ruhr-Universitt Bochum der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fr einen Beitrag, der unter dem Titel „Diese Mdchen-Sache – Spitzensport-Tabu Menstruation“ erschien. Die 60-Jhrige verwies auf die Pille, die die Ergebnisse erwartungsgem verflsche und darauf, dass Leistungssportlerinnen ihre Periode oft gar nicht mehr bekmen. Der Deutsche Olympische Sportbund nherte sich dem Thema in seiner Zeitschrift Leistungssport zuletzt mit einem vierseitigen Aufsatz, in dem die Autoren vor allem auf die unterschiedliche Leistungsfhigkeit in den drei Phasen des Menstruationszyklus (Follikelphase, Ovulation, Lutealphase) abhoben. Dies solle „man bei der Entwicklung von Trainingsplnen und der individuellen Trainingssteuerung bercksichtigen“, lautete eine der Schlussfolgerungen.

Natrlich ist dies bei Individualsportarten einfacher als bei Mannschaftssportarten. „Im Fuball kann man ja nicht sagen, heute trainieren die einen, morgen die anderen. Das ist in der Leichtathletik sicherlich ein bisschen anders zu koordinieren“, sagt Pauline Bremer. Und doch gewinnt der Ansatz, den Menstruationszyklus in das Training von Athletinnen einzubeziehen, auch im Teamsport mehr und mehr an Bedeutung. Der amerikanische Fuballverband verriet im vergangenen Sommer, dass das Betreuerteam bei der WM in Frankreich auch die erfassten Zyklus-Daten der Spielerinnen bei der Trainingsplanung bercksichtigt habe. Die USA wurden Weltmeister.

Source



from https://www.sport.messepost-online.info/leistungen-besser-steuern-und-einschtzen-frauenfussball/

from
https://sportmessepost0.tumblr.com/post/615589931625152512

No comments:

Post a Comment