Sunday, April 19, 2020

Handball-Bundesliga-Boss Frank Bohmann über mögliches Saison-Aus: „Annullierung nicht wahrscheinlich“

Handball-Bundesliga-Boss Frank Bohmann über mögliches Saison-Aus: „Annullierung nicht wahrscheinlich“:

SPORTBUZZER: Frank Bohmann, die Handball-Bundesliga hat ihren Spielbetrieb bis zum 16. Mai ausgesetzt. In den kommenden Tagen wird über einen möglichen Abbruch abgestimmt – wie ist Ihr Eindruck von der Stimmungslage?

Frank Bohmann (55): Wir stellen in dieser existenziellen Phase fest, dass wir unsere Regeln möglichst weit interpretieren müssen, um Leitplanken vorzugeben, die ein Weitermachen im Krisenmodus ermöglichen. Auch ein Saisonabbruch ist in unseren Statuten bislang gar nicht vorgesehen. Hier ist es unabdingbar, Rechtssicherheit zu erlangen, um eventuellen Klagen vorzubeugen. Das Rechtsgutachten empfiehlt eine Abstimmung unserer Mitglieder über den Abbruch dieser Saison. Diesen Weg beschreiten wir. Der Ausgang der Abstimmung ist offen.

Im Falle des Abbruchs könnte die Abschlusstabelle anhand einer Quotientenregel errechnet werden. Ist dies aus Ihrer Sicht sinnvoll – oder könnte es gar zur Annullierung der Saison kommen?

Im Falle einer vorzeitigen Beendigung der Saison wäre eine Bewertung anhand der Abbruchtabelle und der von Ihnen erwähnten Regel ein Weg, um die Saison zu bewerten. Eine solche Entscheidung läge im Verantwortungsbereich des HBL-Präsidiums, genauso wie alle anderen Varianten. Eine komplette Annullierung halte ich für nicht wahrscheinlich.

Einige Klubs nennen den Abbruch die beste Lösung. Welche Punkte sind ausschlaggebend für die Entscheidung?

Ein wesentlicher Eckpfeiler sind die Corona-Pandemie und die behördlichen Auflagen. In diesem engen Spielraum bewegen wir uns nach wie vor. Unter den derzeit vorgegebenen Timelines ist eine Fortsetzung der Saison schwer vorstellbar. Dann kommen auch praktische Hindernisse hinzu. Beispielsweise die Verfügbarkeiten von Hallen, wir sind ja in aller Regel nicht die Betreiber. Und zudem müssten wir für eine mögliche Fortsetzung der Saison einige Wochen Vorlauf zum Training einplanen, um Verletzungen unserer Spieler vorzubeugen. Ein Hochfahren von null auf hundert wäre unverantwortlich. Hinzu kommen die Quarantäne-Bestimmungen, die dies erschweren.

Stefan Kretzschmar, Sportvorstand der Füchse Berlin, sprach jüngst von „machbaren Geisterspielen“. Was bedeutet das für die HBL-Klubs, für die Ticketing-Einnahmen essenziell sind?

Der prozentuelle Anteil der Ticketerlöse differiert von Standort zu Standort. Vielleicht ist bei Stefan Kretzschmar in Berlin die Kostensituation für die Halle besser gelöst als anderswo. Aber grundsätzlich bin ich da nicht bei ihm, denn für die allermeisten unserer Klubs ist die Nutzung der Hallen ohne Zuschauer auf den Rängen kaum denkbar. Die Ticketing-Einnahmen machen im Ligadurchschnitt rund 30 Prozent der Gesamterlöse aus. Hinzu kommt, dass 60 bis 65 Prozent durch Sponsoren eingenommen werden. Zudem ist Sport ohne Zuschauer ein anderes Erlebnis, das mindert den Sponsoringwert erheblich. Wir müssen aktuell für Verständnis und Unterstützung bei unseren Sponsoren werben, ich bin sicher, dass wir in den allermeisten Fällen auf offene Ohren stoßen. Unsere Partner wissen, dass uns derzeit die Geschäftsgrundlage entzogen ist. Aber auf Dauer ist klar, dass wir unsere Leistungen erbringen wollen, um auch weiterhin Geld von Sponsoren zu erhalten.

Welche Herausforderungen ergeben sich dadurch für die kommende Saison?

Beim Stand heute werden wir uns insbesondere in der nächsten Saison im Krisenmodus befinden. Die Planungen für die Finanzierung der kommenden Saison sind praktisch nicht möglich. Ein großes Manko ist die aktuelle Unsicherheit beim Zeitfaktor und bei den wirtschaftlichen Planungen. Sollte es zu einem Abbruch der Saison kommen, rechnen wir als Liga mit Verlusten von 25 Millionen Euro. Wenn mir jemand sagen würde, ich solle diesen Betrag auf den Tisch legen und dadurch sicherstellen, dass wir Ende August planmäßig in die neue Saison starten könnten, würde ich mir das Geld liebend gern leihen – dann wäre das Thema vom Tisch. Aber so einfach ist es leider nicht.

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Sie haben Anfang April allen Erstligaklubs die Lizenz für die kommende Saison erteilt, rein wirtschaftlich dürften also alle weitermachen. Mussten Sie erhebliche Eingeständnisse machen?

Die Unterlagen lagen uns fristgemäß zum 1. März dieses Jahres vor. Da hat niemand auch nur einen Euro für die Corona-Krise zurückgestellt. Das bedeutet de facto, dass diese Unterlagen aufgrund des absoluten Stillstandes von heute auf morgen nicht mehr der Wirklichkeit entsprachen. Dennoch war und ist es uns wichtig, die Lizenzierung aufrechtzuerhalten. Aufgrund der außergewöhnlichen Umstände haben wir Spielräume genutzt, das Verfahren abgekürzt und die Regeln in Teilen deutlich gelockert. Möglicherweise fällige Strafen für das fehlende Erreichen von Auflagen wurden bis auf Weiteres ausgesetzt. Wir können die Klubs derzeit nicht noch zusätzlich belasten, nur weil sie Auflagen zum Beispiel im Jugendzertifikat nicht nachgekommen sind. Das wäre realitätsfern. Ein Stück weit resultiert dieses Vorgehen auch aus gewachsenem Vertrauen in die Kraft des Handballs.

Wie stehen Sie zum Thema Gehaltsverzicht der Profis, um die Existenz der Klubs zu sichern?

Das ist insbesondere die Angelegenheit der Klubs. Hier möchte ich mich zurückhalten. So viel sei gesagt: Mir ist bekannt, dass Gehaltsverzichte in jedem Klub der 1. und auch der 2. Liga akzeptiert und mitgetragen werden. Wir liegen da in Größenordnungen von 25 bis hin zu 70 Prozent. Die Manager haben dies gut verhandelt, vonseiten der Spieler bedeutet dies Solidarität und deutlichen Verzicht. Natürlich wissen sie, dass die Klubs vor der Corona-Pandemie sehr zuverlässige und gute Arbeitgeber waren. Ich bin mir sicher, dass alle Beteiligten alles unternehmen werden, damit wir erfolgreich aus der Krise hervorgehen können. Diese Überzeugung und ein großes Wirgefühl treiben uns an.



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