Jürgen Liebezeit, Thomas Pilz, Amy Walker
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23.04.2020, 07:09 Uhr
– Aktualisiert 23.04.2020, 08:19
Oberhavel (MOZ)
Erleichtert können kleinere Läden wieder Kunden empfangen. Doch die Corona-Wochen haben Spuren hinterlassen und der Kundenandrang fehlt.
Wer aktuell den Fahrradladen von Mario Klaas in der Bernauer Straße in Oranienburg betritt, wird mit einem riesengroßen Lächeln begrüßt. „Besser könnte es uns nicht gehen!“, sagt der Inhaber strahlend. Das Telefon klingelt, die Kunden kommen, er habe am Mittwochvormittag gleich zwei Fahrräder verkauft. „Ich bin einfach froh.“
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Als er, wie fast alle anderen auch, vor fünf Wochen den Laden schließen musste, sah die Welt noch ganz anders aus. Damals war die Sorge groß, dass der Umsatzverlust gerade zu Saisonbeginn ein für alle mal verloren sei. „Ich habe damals hochgerechnet, dass ich bis zu 30 000 Euro verlieren würde“, sagt Mario Klaas. Doch die Soforthilfe des Landes in Höhe von 9 000 Euro habe ihn gerettet – und jetzt gehe es ihm durch den Kundenandrang „wirtschaftlich richtig gut.“
Allerdings können nicht alle von einem solchen Kundenandrang sprechen. In Oranienburg berichten die Händler meistens von wenig bis normaler Kundenanzahl. So auch Olivia Taubenheim im Modeladen „BlackWhit“. Maximal drei Personen dürfen gleichzeitig in den kleinen Shop, doch eine Schlange bildet sich deshalb nicht vor der Tür. „Ich freue mich natürlich, dass die Leute wieder kommen können.“ Die meisten Kunden seien erleichtert, dass wieder ein wenig Normalität eingekehrt sei. „Viele sind sogar wütend, sie haben einfach die Schnauze voll“, so die Verkäuferin.
Für Thoralf Müller im An- und Verkaufsladen „Findling“ konnte es am Mittwochmorgen noch nicht sofort losgehen. „Ich habe zwei Kinder und meine Frau arbeitet im Krankenhaus. Da das mit der Notfallbetreuung noch nicht ganz geklärt ist, musste ich erst gucken, wohin ich die zwei Kleinen bringen kann“, sagt er. Obwohl die Verluste im Laden schon groß seien, sieht Müller das Positive: „Ich habe privat sehr viel geschafft, konnte viel gute Zeit mit den Kindern verbringen. Ich habe mich wirklich sehr entschleunigt.“
So geht es auch Beatrice Baron, die in Glienicke das Modengeschäft „Emma B“ betreibt. Sie hat die Schließzeit im Kreise ihrer Familie genossen. Jetzt aber freue sie sich, ihre Kundinnen wiederzusehen. Die sonst übliche herzliche Begrüßung durch Umarmung fällt aber weiterhin aus. Sie lässt maximal vier Personen in ihre Boutique.
Im Schildower „Scrio“, ein Geschäft für Schul- und Schreibwaren, deckten sich die Kunden mit Bastelmaterial für die Kinder ein. „Überraschend waren auch Bleistifte sehr gefragt“, sagt Verkäuferin Sabrina Schönewald. Druckerpatronen gingen auch sehr gut. Fünf Personen dürfen gleichzeitig das Schildower Geschäft betreten. Deshalb stehen auch nur fünf Körbe am Eingang. Wenn keiner mehr da ist, muss gewartet werden. Im Laden gibt es Desinfektionsmittel für die Kunden. Das Personal an der Kasse wird durch eine provisorische Folienwand geschützt. „Die Plexiglasscheibe ist nicht mehr rechtzeitig gekommen“, sagt Sabrina Schönewald.
Wie erwartet gering war das Interesse an neuen Rädern in „Schmutzlers Fahrradladen“ in Hohen Neuendorf. „Die Discounter und Kaufhallen haben unser Frühjahrsgeschäft übernommen“, sagt Heidemarie Schmutzler. Jetzt kämen die Kunden nur, wenn sie Hilfe bei der Montage bräuchten. Eigentlich macht sie das nur als Service. Doch die Zeiten haben sich geändert. Klagen will sie trotzdem nicht. Die Rentnerin, die nur noch für einen kleinen Zuverdienst in ihrem Laden steht, hat sogar ihren Antrag auf Soforthilfe zurückgezogen. „Das brauchen andere dringender.“ Außerdem sei ihr der bürokratische Aufwand zu hoch.
Das hat auch Rosemarie Haubenthal bitter erfahren – einmal mehr sogar. Die Fürstenbergerin ist nämlich eine erfahrene Einzelhändlerin. Direkt in der Altstadt betreibt sie ihre Boutique für Mode und Geschenke. Bis einschließlich Dienstag war der Laden dicht. Nun trudeln allmählich wieder Kunden ein. „Aber auf den fixen Kosten bleibe ich sitzen, die wochenlange Schließung hole ich bei den Umsätzen nicht mehr auf“, klagt sie. Vor allem aber: Sie habe sofort einen Antrag auf Überbrückung beim Land gestellt. Die Bürokratie sei so groß, dass sie noch immer nicht wisse, ob, wann und wie viel Geld sie erhalte. „Und das ausgerechnet in meinem sonst umsatzstärksten Monat“, so Haubenthal.
Matthias Paul, Betreiber des Nordlicht-Kanuverleihs in Fürstenberg, freut sich dagegen, dass Wassersport wieder möglich ist, wenngleich unter Auflagen. Aber: „Mir schwant nichts Gutes, bis jetzt habe ich noch überhaupt keine Buchung für den Sommer“, warnt Paul.
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